(Videoaufzeichnung einer Stellungnahme von Dr. Hense, ThyssenKrupp)
Zusammenfassung:
Dr. Hense beschreibt die Situation des Konzernreportings als eine, die durch die große Komplexität der Rechnungslegungsvorschriften und -Standards geprägt ist. Seine These ist, dass kein Weg zu den einfachen Berichten der Vergangenheit zurückführen wird. Auf der Suche nach Lösungen zur Bewältigung der Komplexität ist die Suche nach technologischen Hilfsmitteln besonders wichtig. XBRL bietet eine technologische Unterstützung für die gezielte Suche und das effiziente Auffinden relevanter Informationen. Das XBRL-Format kann im Bereich des Reportings zu einer verstärkten Nutzung des Internets führen. Die Internet-Technologien werden nach Ansicht von Dr. Hense derzeit noch nicht ausreichend für die Finanzkommunikation genutzt. In naher Zukunft sieht Dr. Hense keine Alternativen zu XBRL. Wenn die standardisierten XBRL-Taxonomien auf eine überschaubare Anzahl begrenzt bleiben, sei das volkswirtschaftliche Kosteneinsparungspotential groß.
Herr Dr. Hense leitet den Zentralbereich Konzernrechnungslegung bei der Thyssen Krupp AG. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die Finanzberichterstattung und die Organisation des externen und internen Konzernberichtswesens.
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Die wichtigsten Aussagen von Dr. Hense im Überblick:
1. Intro
Die flächendeckende Einführung von IFRS erhöht die Komplexität und das Datenvolumen bei der Berichterstattung
Die Situation der Ersteller und Nutzer ist durch Frustration gekennzeichnet: Die Ersteller glauben, dass das, was mit großem Aufwand erstellt wurde, nicht verstanden und gewürdigt wird. Die Nutzer haben den Eindruck, dass trotz der Fülle an Informationen, wichtiges nicht gesagt wird.
Der Glaube, dass die einfachen, geradlinige Berichterstattung der Vergangenheit wiederkehren wird, ist illusorisch. Dazu ist die Unternehmensumwelt mittlerweile zu kompliziert geworden.
Wir müssen uns auf die Komplexität einstellen und sollten verstärkt nach Möglichkeiten zur Komplexitätsbewältigung suchen.
XBRL könnte eine Antwort auf der Suche nach Mitteln zur Komplexitätsbewältigung sein.
2. Nutzen von XBRL
XBRL-Taxonomien werden den Erstellern von Geschäftsberichten erlauben, die Integrität und den Inhalt der von ihnen erstellten Daten bis in die Sphäre des Nutzers hinein vorherzubestimmen und zu begleiten.
Die Nutzer haben mit XBRL die Möglichkeit, gezielter und strukturierter zu suchen. Dies setzt allerdings den Einsatz von geeigneten Taxonomien voraus.
Dr. Hense richtet einen Appells an die Institutionen, Unternehmen und Standardsetter, der Erstellung von Taxonomien erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen.
XBRL kann dazu führen, dass das Internet in der Finanzkommunikation intensiv und umfangreich genutzt wird. Die wesentlichen Vorteile des Internet, die Interaktivität, Suchemöglichkeiten und universelle Verfügbarkeit von Informationen werden zur Zeit nicht ausreichend genutzt.
Es läßt sich auf lange Sicht nicht ausschließen, dass es Informationsübermittlungs- und Verarbeitungssysteme gibt, die Format-unabhängig sind. Erste Entwicklungen gibt es im Bereich der Rechnungserkennung. Für die nähere Zukunft sind aber keine Alternativen zu XBRL sichtbar.
3. Gesamtwirtschaftliches Potential
Derzeit ist die Kommunikation von Finanzdaten durch vielfältige Medienbrüche gekennzeichnet.
Daten werden häufig und Mehrfach manuell in denselben Formaten erfasst. XBRL hat hier ein großes volkswirtschaftliches Kosteneinsparungspotential, wenn mit diesem universell einsetzbaren Format Medienbrüche überwunden werden.
Dies ist nur erreichbar, wenn sich die Ersteller und Nutzer, sowie die Intermediäre auf eine überschaubare Anzahl an standardisierten Taxonomien einigen können.
XBRL könnte das Zusammenspiel von Unternehmen, Finanzdienstleistern und Nutzern verändern. XBRL wird den Finanzdienstleistern die Möglichkeit geben, dass die Wertschöpfung zum wesentlichen Teil auf die Wertung und Interpretation von Daten und nicht auf die Sammlung und Vorhaltung von Daten entfällt.
XBRL könnte zu einem direkteren Draht zwischen Unternehmen und Nutzern führen und könnte die Aufgabenteilung zwischen Diestleistern, Nutzern und Unternehmen verändern.
4. XBRL bei ThyssenKrupp
ThyssenKrupp beabsichtigt wegen der aufgezeigten Vorteile, aktiv an der Verbreitung von XBRL mitzuwirken.
ThyssenKrupp stellt seine Berichterstattung um und wird ab 2006 in IFRS berichten. Außerdem erfolgt eine Umstellung vom dezentralen Reporting-System auf ein Web-basiertes Reportingsystem. Das neue System wird nach erfolgreicher Einführung in der Lage sein, XBRL direkt zur Verfügung zu stellen.
Als nächster Schritt erfolgt in den Jahren 2006 oder 2007 die Erstellung des gesamten Konzernabschlusses gemäß der IFRS-Taxonomie in XBRL.
Mit den Umstellungen werden im wesentlichen zwei Ziele verfolgt: Die Losösung von der HGB-Gliederung des derzeitigen Konzernreportings und die Möglichkeit nicht nur vom Konzern sondern auch von Subeinheiten des Konzerns Daten in XBRL zur Verfügung zu stellen.
ThyssenKrupp wird prüfen, ob XBRL auch für das interne Reporting und den Datentransfer im Konzern geeignet ist. XBRL könnte eine Option darstellen um die Schnittstellenproblematik zu vereinfachen. Denkbar wäre ein direktes Importieren von Daten aus den ERP-Systemen in das Konzernreporting.